22 Sep 2004

Wenn tonnenweise Äpfel fallen, läuft das Saftgeschäft

In Coswiger Mosterei wie seit 50 Jahren in jedem Herbst Hochbetrieb

Von BIRGIT ANDERT

Coswig. Die beachtliche Schlange ist schon von der Straße aus zu sehen. Autos mit kiloweise Äpfeln bepackt sei es in Kartoffelsäcken, Wäschekörben oder Anhängern – reihen sich eins an das andere. 50 bis 100 Kunden zählt Torsten Sell jetzt jeden Tag, denn das Obst ist reif – und die Leute wollen Saft. „Dieses Jahr ist das Obst ein bisschen später dran als sonst“, sagt der Geschäftsführer der Coswiger Süßmost- und Weinkelterei Sell GmbH und nimmt einen Apfel in die Hand. „Außerdem merkt man die zwei trockenen Sommer in Folge.“ Zu klein seien die Früchte, sagt er fachmännisch und blickt über das Meer von gelben, roten und grünen Äpfeln, die lautstark auf das Fließband prasseln. Was an der Masse fehle, mache jedoch die Qualität wieder wett. 54 Grad Öechsle habe man zuletzt gemessen – ein sehr guter Wert für einen sehr guten Saft, der bereits einem Tag nach der Anlieferung fertig gefiltert und pasteurisiert in die Flaschen gefüllt werden kann.

Etwa eine halbe Million Flasche füllt die Lohnmosterei jedes Jahr mit frisch gepressten Säften – den größten Anteil machen mit etwa einem Fünftel die Apfelsäfte – gefiltert oder naturtrüb aus. Neben Äpfeln, Birnen und Quitten bringt die Kelterei aber mit einer zweiten Presse auch Johannisbeeren, Stachelbeeren und Sauerkirschen in die flüssige Form. „Das ist für die Leute natürlich aufwändiger“, weiß Sell. „Ehe man zehn Kilogramm Johannisbeeren zusammen hat ist eine Stunde vergangen.“ Was die wenigsten wissen: Aus Weintrauben keltert der Familienbetrieb in dritter Generation nicht nur Saft, sondern auch Wein. „Das machen wir jetzt im zwölften Jahr“, sagt Sell, der selbst ein ausgebildeter Weinküfer ist. Um die 200 Kleinwinzer nutzen diese Möglichkeit inzwischen – jedes Jahr verlassen bis zu 10 000 Flaschen Wein (Flaschenpreis: 1,60 Euro) die Kelterei.

In Familienhand, ist der Betrieb seit genau 50 Jahren, als Großvater Sell, die bereits seit 1927 bestehende Kelterei kaufte. Seit 1996 betreibt Enkel Torsten Sell die Kelterei nun mit seinem Vater als GmbH, laut seiner Aussage schreibt der Betrieb mit sechs Beschäftigten schwarze Zahlen. Etwa 2000 bis 3000 Kunden aus der Region von Riesa bis Dresden bringen ihre Früchte in die Lohnmosterei Sell, anlässlich des 50jährigen Bestehens wird dieses Jahr jeden Tag einer von ihnen ausgelost und erhält nachträglich 50 Prozent Rabatt.

Geschäftsführer Torsten Sell sortiert faulige Äpfel vom Fließband aus. In der nächsten Station werden die Früchte gewaschen, zerkleinert und gepresst. Maden können nicht entfernt werden – sie landen mit im Saft, der einen Tag später in die Flaschen kommt.
Foto: Birgit Andert Dresdner Neueste Nachrichten

SERVICE
Verarbeitung in Lohnmosterei: Schwarze, rote und weiße Johannisbeeren; Stachelbeeren (vollreif); Sauerkirschen; Quitten; Äpfel; Birnen (hartreif).
Preis: Für zehn Kilogramm Äpfel bzw. Birnen erhält man acht Flaschen Saft (zu je 0,37 Euro/Flasche), für 10 kg. aller anderen Obstsorten 14 Flaschen Saft.

Info: Süßmost- und Weinkelterei Sell
GmbH, Steinbacher Weg 115, Coswig, 03523/7749600; Internet: www.kelterei-sell.de (wird in den kommenden Tagen freigeschaltet)

Geschäftszeiten: ganzjährig Mi.,14-18 Uhr; Saison (bis 30. Oktober): Mo. bis Do. 14-18; Nov. Mo. + Mi. 14-18 Uhr